Daniel Martin Moore und Joan Shelley. First of August im Mai
Diese Woche gab es ihn wieder: Den Moment, in dem man plötzlich innehält, weil Musik es zustande gebracht hat, zumindest für wenige Minuten alles rund um einen irgendwie nebensächlich erscheinen zu lassen. Geschafft haben das Daniel Martin Moore und Joan Shelley mit “First of August” von ihrem neuen, gemeinsamen Werk Farthest Field.
Zachary Lucky klingt alt, ist aber eigentlich jung. Das hört man beispielsweise bei Back In The Fall
Markiert mit 2012, Folk, Singer/Songwriter, Spotify
Singer of songs, friend of the road
So beschreibt sich Zachary Lucky selbst auf seinen Profilen im Internet. Und das glaubt man dem Singer/Songwriter schnell, entspricht doch seine für uns fast unaussprechliche Heimat Saskatchewan, zugleich auch Name seines letzten Albums, genau den Stereotypen des Genres. Google Maps zeigt die kanadische Prärieprovinz als weites, fast noch unerschlossenes Land, welches nur darauf wartet, von Folk-Barden wie Zachary Lucky bewandert und besungen zu werden. Das Ergebnis dieser perfekten Rahmenbedingungen sind dann mit “Back In The Fall” Paradebeispiele des Singer/Songwriter-Genres.
Ivan Colon und Distance hätten wirklich perfekt zu Eternal Sunshine Of The Spotless Mind gepasst
Markiert mit 2008, Folk, Spotify
Paola Brugiatti Goyez stellt gerne Lieder auf YouTube und hinterlegt diese mit Musik. Unter dem Nutzernamen paola2185 machte sie das zuletzt im Sommer 2011 und wahrscheinlich war es damals einfach nur Zufall, dass sie zu Ivan Colóns Nummer “Distance” als bildliche Untermalung ausgerechnet Eternal Sunshine Of The Spotless Mind wählte. Das amerikanische Drama von Michel Gondry aus dem Jahr 2004 mit Jim Carrey und Kate Winslet in den Hauptrollen könnte nämlich nicht besser zur ruhigen, einfühlsamen Nummer des Amerikaners Ivan Colón passen – und umgekehrt könnte Ivan Colón auch nicht besser zu Eternal Sunshine Of The Spottes Mind passen.
Ghosts I’ve Met. Blackwoods. Fragil
Cigarettes in the rain,
it’s a long life anyway,
it’s a long life anyway.
Im Regen stehen und stehen bleiben. Sinnbild des Alleinseins. Müde werden und müde bleiben. Müde sein wollen. Genügsam – würde man meinen. Zustandslos – meint man. Sinnbild vieler Gegenwarten.
Wenn Sufjan Stevens Silent Night neu interpretiert, dann jaulen zum 3. Advent sogar die Engel!
Markiert mit 2010, Folk, Weihnachten
Es war wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, als vor einem Jahr eine neue, wenn auch bis heute inoffizielle Songs for Christmas Volume von Sufjan Stevens in der Blogosphäre auftauchte. Wenige Tage vor Weihnachten wurde mit Volume 6 endlich ein weiterer Missing Link zwischen den als CD-Box veröffentlichten Volumes 1 bis 5 und der EP Volume 8 entdeckt. Und das war so schön, dass gleich zu Beginn der EP die Engel im Weihnachtsklassiker “Silent Night” vor Freude jaulten. Gloria!
1. Advent: Zu spät, aber hoffentlich noch rechtzeitig mit Rosie Thomas, Why Can’t It Be Christmastime All Year und Schwung in den Advent 2011
Markiert mit 2008, Pop, Weihnachten
Wie auch 2010 wollen wir auch dieses Jahr Weihnachten wieder mit der passenden Musik an den Adventsonntagen einläuten. Der frühe erste Advent im November hat uns diese Tage selbst überrascht, weshalb wir die erste musikalische Empfehlung am heutigen ersten Dezembertag zwar verspätet, aber hoffentlich immer noch rechtzeitig aussprechen: Mit dem beschwingtem “Why Can’t It Be Christmastime All Year” von Rosie Thomas!
Sweetest Thing von The Rifles. Weil wir gute Laune brauchen!
Markiert mit 2011, Rock, Songs ohne Strophen
Rein textlich betrachtet handelt es sich bei “Sweetest Thing” von The Rifles um keine Offenbarung. So macht es wohl nicht von ungefähr den Eindruck, dass die englische Indie Rock-Band aus London angesichts des bestechend eingängigen, positiven Refrains die zweite Strophe von “Sweetest Thing” auf das Allernotwendigste, nämlich nur einen Satz reduzierte. Dank des Refrains wirken textliche Schwächen nämlich höchstens zweitrangig und ist “Sweetest Thing” mit einen Schlag erhoben zur Aufnahme in den erlesenen Kreis der Songs, die keine Strophen brauchen.
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Felt. Familiar. Auch Nils Frahm hat nette Nachbarn
Markiert mit 2011, Instrumental
Erst vor kurzem klärte Rey Villalobos aka House of Wolves seine Konzertbesucher im Wiener rhiz über den Grund seiner ungemein feinfühligen, von uns sogar als “zärtlich” empfundenen Musik auf: Sie entstand aus Rücksichtnahme auf seine Nachbarn! Damit sorgte der Amerikaner für Lacher, doch ganz so unüblich scheint dieses Szenario, indem Musiker beim Komponieren Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen, gar nicht zu sein. Auch vom Berliner Pianisten Nils Frahm war diese Tage im Zuge der Veröffentlichung seines neuen Albums Felt entsprechendes zu hören:
Ursprünglich wollte ich meinen Nachbarn mit dem gedämpften Klavier einen Gefallen tun: Wenn ich in der nächtlichen Stille spielen möchte, ist die einzig rücksichtsvolle Möglichkeit das Klavier mit Filz zu versehen und mit behutsamen Fingern zu spielen. Dadurch entdeckte ich, wie schön mein Klavier gedämpft klingt.
Secret Cities entführen in The Park. Ganz ohne blutigen Schnee
Markiert mit 2010, Psychedelic Pop
Aus (ja genau dem!) Fargo in North Dakota kommend, halten Secret Cities auf ihrem so nach Sommer klingenden Album Strange Hearts nach den ersten beiden Nummern inne, um uns mit “The Park” wenige Tage vor seinem offiziellen Start auch die perfekte Nummer für den Herbst zu bringen. Sie ist hymnisch, leicht abgedunkelt, macht nachdenklich. Perfekt also, um in diesen Tagen auf verregneten Fensterscheiben Wassertropfen beim Wettlaufen zuzusehen.
Lotte Kestner stiehlt erfolgreich Flirted With You All My Life von Vic Chesnutt
Markiert mit 2011, Cover, Folk
Nur wenige Lieder sind im Stande dazu, ein Aha-Erlebnis zu erzeugen. Lotte Kestner, besser bekannt als Anna-Lynne Williams und Frontfrau der amerikanischen Band Trespassers William, gelang dieses Kunststück zuletzt mit der Nummer “Flirted With You All My Life” auf ihrem nur aus Cover-Songs bestehenden Album mit dem bezeichnenden Titel Stolen. Kennt man nämlich das Original von Vic Chesnutt nicht, so ist man nach etwa einem Drittel der Nummer von Intention, Aussage und Stimmung derart überrascht, dass fast zwangsläufig nur noch ein erkenntnisreiches “Aha” folgen kann. Wer “Flirted With You All My Life” also nicht kennt, sollte die Nummer zuerst anhören und erst dann weiterlesen.
Mhm. Wenn The Sunshine House in et al. von Vertrauen singen, dann gilt das offensichtlich auch für andere
The Sunshine House versprühen musikalisch zwar nicht unbedingt Sommer, Sonne, Sonnenschein, dennoch gestalten die sechs Damen und Herren aus dem amerikanischen Colorado ihre Nummern überwiegend positiv. Die Stoßrichtung gab dabei gleich zu Beginn des Jahres die erste Nummer ihrer nach ihnen selbst benannten Debüt-EP vor. Denn “et al.” handelt ganz offensichtlich von Vertrauen. Von gefundenem, nicht verlorenem Vertrauen.
Zurückblicken mit I Am Oak in Giant
Do you know when you go, you will leave something?
Eigentlich ja, man weiß das. Denn bin ich wo, von wo ich gehen kann, so muss es einmal das “dorthin gehen” gegeben haben. Irgendwann war da mal eine Entscheidung für das Jetzt, die sich im Moment des Ziehens, des Weitergehens unweigerlich in Erinnerung ruft. Und an der Richtigkeit dieser Entscheidung wird gezweifelt – oder würde gezweifelt werden. Denn oft geht man einfach nicht weiter, sondern bleibt stattdessen stehen.
Weihnachtslieder im Juni? Wen stört das schon bei O Come, O Come, Emmanuel von Golau Glau?
Markiert mit 2010, Silverpop, Weihnachten
Zeitlosigkeit kann heute als eines der großen Qualitätsmerkmale von Musik angesehen werden. Zeitlosigkeit über Jahre, aber auch über Jahreszeiten hinweg. Der beste Beweis ist dafür wohl, wenn ein Weihnachtslied im Juni zum Ohrwurm wird. Wie “O Come, O Come, Emmanuel” von Golau Glau!
Two Intangibles Can’t Be Had. Sagt Sarah Jaffe und hat vollkommen Recht.
Es gibt Lieder, die fallen einem um den Hals und es gibt Lieder, die bleiben drei Meter vor einem stehen. Erstere hört man deutlich, zweitere hört man deutlicher, geht man ein paar Schritte auf sie zu.
Es gibt Lieder, die sind wie in allen Farben schillernde Kangteppiche und es gibt Lieder, die sind wie viele feine Linien, skizzenhaft. Erstere sieht man. Zweitere, wenn man genauer hinsieht.
Civilian. Das Donnerwetter von Wye Oak!
Markiert mit 2011, Folk, Rock, Shuffler.fm
Frau/Mann-Bands erfreuten sich zuletzt ja einer gewissen Beliebtheit. Besonders dann, wenn ihre Musik aus solidem Songwriting, Stimmen, die sich wunderbar aneinander schmiegen und folkig, akustischer Instrumentierung bestehen. Diesem Muster folgend, lässt auch kommerzieller Erfolg nicht lange auf sich warten – siehe zum Beispiel She and Him und Angus and Julia Stone. Auch Wye Oak aus dem amerikanischen Maryland sind eine dieser Frau/Mann-Bands, gehen aber seit Jahren einen eigenen musikalischen Weg. Gemeinhin wird das dann auch schon mal als “21st Century Folk” bezeichnet. Wie das klingen soll, zeigt uns mit “Civilian” der Titeltrack des aktuellen Albums. Und wie das live klingen soll, erfahren wir am kommenden Sonntag auf der Bühne im Chelsea Wien!
The Stranger von Lord Huron. Und es kommen sogar Elefanten vor!
Markiert mit 2010, Folk, Shuffler.fm
Das Cover von Mighty, der zweiten EP von Lord Huron, ist ja eigentlich schon ein wenig kitschig illustriert. Dabei ist das märchenhaft anmutende Bild des Elefanten, der sich fast majestätisch im Sonnenuntergang aus der Brandung erhebt, Teil jener Geschichte, die uns vom Amerikaner Ben Schneider in “The Stranger” erzählt wird. Als Lord Huron ist er nämlich jemand Fremden begegnet. Oder etwas Fremden. Je nachdem.
Niels Frevert. Ja, der mit dem Baukran!
Unlängst wurde Ruhe gefunden – in der Musik des Berliner Liedermachers Nils Frevert. Und in jenen Worten, mit denen er sich in der ersten Nummer seines Albums Du kannst mich an der Ecke rauslassen doch tatsächlich mit einem Baukran vergleicht. Ja, mit einem Baukran. Schlicht und einfach. So wie man sich manchmal eben fühlt. “Wie ein Baukran”.
Die wunderbare Wandlung eines kontroversen Chartbreakers. William Fitzsimmons als Retter von I Kissed a Girl
Markiert mit 2006, 2010, Cover, Folk, Pop
You girls you are so magical, soft skin, red lips, so kissable, hard to resist so touchable, too good to deny it. It ain’t no big deal, it’s innocent
Es ist schon erstaunlich, die wunderbare Wandlung des kontroversen Chartbreakers “I Kissed a Girl” von Katy Perry zu beobachten. Dabei unterscheidet sich das Derivat des amerikanischen Singer/Songwriters William Fitzsimmons textlich nur gering vom Original: Aus “boyfriend” wurde “girlfriend”, aus “us” und “we” wurde “you”! Dennoch aber scheint vom Original nur mehr wenig übrig geblieben zu sein. Mit einfachen Mitteln rettet Fitzsimmons “I Kissed a Girl” und brachte damit kaum für möglich gehaltenes Potential der Nummer zum Vorschein.
OMGCD! The Low Anthem auf der Suche nach Charlie Darwin
Markiert mit 2010, Americana, Folk
Charles Robert Darwin, den britischen Naturforscher, kennt man wohl vor allem aufgrund seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie. So war es auch er, der entscheidend den Begriff Survival of the Fittest, also das Überleben der bestangepassten Individuen, geprägt hat. The Low Anthem aus dem amerikanischen Rhode Island blicken auf die Welt und sehen, wie heute viel Negatives ausgerechnet von denjenigen ausgeht, die sich am besten angepasst zu haben scheinen. ”Life is cold and formless”, das Darwin’schen System droht ihrer Meinung nach zu scheitern. Grund genug sich also zu fragen, wo “Charlie Darwin” heute bloß steckt:
Oh my God, Charlie Darwin where are you now?
Hin und her gerissen mit Christian Kjellvander. Two Souls
Markiert mit 2007, Americana, Songs ohne Strophen
Eigentlich sollte auf the death cat wegen dieser Nummer von Christian Kjellvander eine eigene Kategorie mit dem bezeichnenden Namen “Songs ohne Strophen” eingeführt werden. Nun ja, vorerst ist es nur ein Tag geworden. Warum das Ganze? “Two Souls” ist das perfekte Beispiel für einen Song, der im Grunde nur aus seinem Refrain besteht. In Wahrheit besteht er natürlich aus mehr, aber alles rund um diesen Refrain – Intro, Strophen, Bridge – scheinen nur Sprungbretter für den Refrain zu sein, die immer wieder mit Anlauf genommen werden. Dennoch funktioniert “Two Souls”. Der Refrain alleine reicht tatsächlich für “Repeat” aus. Aber wäre nicht noch mehr drinnen gewesen?