Das dritte Etwas? Geschichtenerzähler im Wiener Replugged
Hätte es am vergangenen Sonntagabend jemanden zufällig ins Wiener Replugged in die Lerchenfelder Straße verschlagen, so wäre dieser jemand Zeuge der ungemein interessanten Formation Das dritte Etwas geworden. Da der Zufall an diesem Abend aber eine eher untergeordnete Rolle spielte, blieben Überraschungsgäste weitgehend aus. Das Replugged funktioniert schließlich mehr als anzumietende als eigenständige und sich selbst vermarktende Event-Location. Schade eigentlich. Besonders für den Jemand, denn der hat etwas verpasst.
Olafur Arnalds gemeinsam mit Nils Frahm und einer Menge Improvisationen im Wiener Stadtsaal!
Markiert mit 2012, Ambient, Instrumental, Stadtsaal
Montag letzte Woche beehrte niemand Geringeres als Ólafur Arnalds Wien. Gemeinsam mit seinem deutschen Genre-Freund aus Berlin, Nils Frahm, wurde mit dem Stadtsaal in Wien eigentlich eine Theater-Location bespielt – passenderweise, denn die Musik des Isländers versteht sich oft mehr wie ein Schauspiel als ein Konzert. Nicht etwa deshalb, weil der introvertierte Arnalds sein Publikum verbal unterhält, sondern weil seine Musik selbst Geschichten erzählt und man als Zuhörer zum Nacherzählen eingeladen wird. Zumindest ist das im Normalfall so. Beim ersten Wien-Auftritt von Ólafur Arnalds nach vier Jahren verzettelte sich dieser leider gar oft in Improvisationen und vergaß so auf seine besten Geschichten.
The Walkabouts in der Szene: Weder richtig schlecht noch wirklich gut
Markiert mit 2011, Rock, Szene
In unserer Reflexion über das ungemein feinfühlige Album Train Leaves At Eight haben wir ja bereits geschrieben, dass die Musik der Walkabouts seither und insbesondere in den letzten Jahren wieder eine zunehmend rockigere Tonart eingeschlagen hat und vermutet, dass uns das auch beim Konzert in der Wiener Szene erwarten würde. Wir sollten Recht behalten. Und das war dann weder richtig schlecht noch wirklich gut.
Umgekehrte Platzangst bei Balmorhea im B72
“Wie passt eine siebenköpfige Band auf die Bühne des Wiener B72?”. Das war eine der großen Fragen vor dem Konzert von Balmorhea am vergangenen Mittwoch im Wiener Gürtellokal. Beantwortet wurde diese zum einen von Balmorhea selbst. Die Truppe reiste nur zu sechst aus Austin, Texas an. Zum anderen gab der vergrößerte Bühnenbereich des B72 Antwort. Durch diesen hatten alle Musiker mitsamt Instrumenten wie Violine, Cello, Kontrabass, gefühlten zehn Gitarren, Keyboard, Schlagzeug und Vibraphon mehr Platz. Dass es – ganz im Gegensatz zum Zuschauerbereich – auf der Bühne des B72 aber immer noch eng war, verwunderte angesichts der Instrumentenvielfalt nicht, lag aber auch am Variantenreichtum, mit dem Balmorhea musizierte. Die Musiker wechselten nämlich nicht nur einmal Instrumente oder tauschten diese ganz aus. Und so vermisste man auch nach einer knappen Stunde Konzertgenuss das oftmals wichtigste Instrument nicht weiter: eine Stimme.
Leise sein bei House of Wolves im rhiz!
Bei knapp 20 Grad im Dunkeln ließ sich diese Woche vor dem Konzert von House of Wolves im rhiz das wahrscheinlich letzte Freiluft-Bier des Jahres 2011 genießen. Da man eine solche Gelegenheit im Oktober nicht allzu oft bekommt, wurde diese auch von einigen Nicht-Konzertgehern, die die Schanigärten rund um das rhiz doch recht ansehnlich füllten, wahrgenommen. Die Frage aber, was einem denn bei House of Wolves erwartet, musste man als Konzertgeher mit Schulterzucken quittieren. Ganz genau einzuordnen sind House of Wolves nämlich nicht. Band oder doch Einzelperson? Männer- oder Frauenstimme? Mit solch offenen Fragen geht man dann zu Konzerten, wenn man über Bandcamp Musik wie eben jene von House of Wolves entdeckt, sich vorab aber nicht weiter darüber informiert. Umso schöner ist es dann, wenn man durchwegs positiv überrascht wird.
Im Gehege besser als in freier Wildbahn. Sleep Party People im B72
Markiert mit 2011, B72, Elektronik
Am vergangenen Dienstag beehrten Sleep Party People das B72 und somit Wien. Die Vorfreude war groß, läutete die ominöse Tiermasken-Formation aus Dänemark doch bereits in den letzten Sommertagen 2011 einen vielversprechenden Konzertherbst ein. Viel hatte man sich also erwartet, mit den besten Absichten war man gekommen, enttäuscht wurde man nicht, aber – und hier ist der Haken für all diejenigen, die einen gesucht haben – begeistert ging man nun mal auch nicht nach Hause. Eher unberührt – wie der Eindruck, den Sleep Party People selbst hinterlassen haben. Und so etwas, Unberührtheit, Gleichgültigkeit, insbesondere spürbar durch praktisch nicht vorhandene Bühnenpräsenz von Sänger Brian Batz, überträgt sich dann schnell mal auf die Zuhörer. Selbst das Potential eines gelungenen Debütalbums kann da nicht mehr helfen. Zu offensichtlich wurde, dass die als Hasen verkleideten Sleep Party People besser im Gehege, dem geschützten Bereich einer Studio-Aufnahme, als in freier Wildbahn, auf der Konzertbühne, zu überzeugen wissen.
Drei Monate heller Freude: Der Konzertherbst 2011 in Wien!
Man erkennt es schon am Farbenspiel auf unserem Blog. Rot, stellvertretende Farbe für die Kategorie Konzerte, hat schon einige Zeit kein Post mehr aufgeleuchtet. Nicht etwa deshalb, weil wir das Interesse am Konzertgehen verloren haben, sondern vielmehr darum, weil in den vergangenen Wochen hinsichtlich Konzerten in Wien das viel zitierte Sommerloch vorherrschte. Aus diesem Grund klettern wir mit diesem Post nun endlich wieder aus diesem Loch heraus, bringen einerseits wieder etwas mehr Farbe auf unseren Blog zurück und zeigen dabei auch gleich auf, mit welchen Konzerthighlights unsere Stadt den Rest des Jahres aufwarten wird. Die restlichen Wochen des Jahres 2011 stehen nämlich seinen ersten Monaten hinsichtlich tollen, verheißungsvollen Konzerten interessanter Künstler um nichts nach! Und darum darf man auf September, Oktober und Co. durchaus gespannt sein.
Das Donnerwetter blieb aus. Es war nur ein verregnetes Wye Oak-Konzert im Chelsea
Markiert mit 2011, Chelsea, Folk, Rock, Shoegaze, Wien
Das Wiener Besuchsverhalten bei Konzerten mutet manchmal seltsam an. Während nicht weniger als vier schwedische Künstler beim von der Vienna Songwriting Association in der Szene organisierten Singer/Songwriter Fest kaum mehr als 40 Gäste um sich scharten, bescherte keine zwei Wochen später das amerikanische Folk-Rock Duo Wye Oak dem Chelsea ein nahezu volles Haus. Wie solch extreme Unterschiede entstehen, wird wohl noch länger unergründet bleiben. Ergründen lässt sich dagegen schon, warum Wye Oak’s Jenn Wasner und Andy Stack bei ihrem Auftritt nicht so recht zu überzeugen wussten. Das erhoffte Donnerwetter auf der Bühne blieb nämlich aus. Es regnete nur.
Die Schweden rund um Christian Kjellvander kamen und fuhren mit dem Auto weiter
Markiert mit 2011, Folk, Singer/Songwriter, Szene, Wien
Nachdem man vom bärtigen Türsteher noch lange vor Mitternacht zum Ausgang gebeten wird, trifft man doch glatt Christian Kjellvander und Thomas Denver Jonsson aka I’m Kingfisher in der Hauffgasse an, wie sie ihre Instrumente und Merchandising-Artikel aus der Szene Wien schaffen. Da ist man am Ende dieses Singer/Songwriter Abends schon ein wenig desillusioniert. Unweigerlich fragt man sich nämlich, wo denn die Stagehands sind, die einem Christian Kjellvander diese Arbeit abnehmen. Und wo ist der Bandbus? Wieder die Desillusion. Beladen wird ein gemietetes Fahrzeug von Europcar, mit dem es weiter nach Linz geht. Wo aber waren auch die vielen Zuhörer, die diesen vielversprechenden Singer/Songwriter Abend der Vienna Songwriting Association zu einem echten, stimmungsvollen Event hätten machen können?
Mit Holmes auf einem Punk-Konzert. Wer hat da im Arena DreiRaum gestört?
Markiert mit 2011, Americana, Arena, Punk, Rock, Wien
Was trennt die schwedische Band Holmes von Punk? Sehr viel, würde man insbesondere nach Betrachtung ihres Letztwerks Have I Told You Lately That I Loathe You? umgehend meinen. Punk spielte beim Holmes-Konzert am vergangenen Mittwoch in der Arena aber dennoch eine wesentliche Rolle. Zwangsläufig, denn die sechs Schweden rund um Frontman Kristoffer Bolander mussten sich nämlich ausgerechnet an diesem Abend im heimeligen DreiRaum gegen die dröhnenden Nebengeräusche aus der kleinen Halle behaupten – verursacht von der New Yorker Punk-Band Murphy’s Law! Äußerst schade, denn auch wenn Holmes eine absolut gelungene Vorstellung boten, wurde das Konzerterlebnis doch getrübt.
14 hoch 4 Mal The Low Anthem im Flex – plus The Head and the Heart!
Markiert mit Americana, Flex, Folk
The Low Anthem gastierten am vergangenen Sonntag im Flex und nahmen neben ihren außerordentlich sympathischen amerikanischen Landsleute von The Head and the Heart als Support auch eine Vielzahl an Instrumenten nach Wien mit. Irgendwann an diesem Abend haben wir aber aufgehört die Instrumenten-Vielzahl zu zählen, später dann auch noch die Besetzungsvarianten – also welches Mitglied der Band zu welchem Zeitpunkt welches Instrument gespielt hat. Gefühlsmäßig wird man mit dem Ergebnis der Rechnung “14 Instrumente hoch 4 Musiker” aber nicht so falsch liegen. An diesem Abend wurde kaum eine Nummer mit der gleichen Instrumentierung, kaum eine Nummer mit der gleichen Besetzung gespielt. Die vier Musiker von The Low Anthem sorgten so für unglaubliche Abwechslung auf der Bühne. Doch nicht nur das faszinierte an diesem Abend.
Grünes Bier und Wallis Bird im Festzelt vorm Burgtheater beim Saint Patrick’s Day in Wien!
Markiert mit 2011, Festzelt vorm Burgtheater, Saint Patrick's Day, Wien
Wer ist eigentlich Saint Patrick und warum feiert Irland seinen Tag? Und wieso feiert Wien mit? Über Herkunft, Sinn und Bedeutung von Feiertagen und Traditionen anderer Länder weiß man nur in seltenen Fällen Bescheid und im Falle von Irland scheint das zunächst auch von geringer Bedeutung zu sein. Aufgrund seiner weltweiten Pub- und Biertradition schafft es der Inselstaat, dass sich insbesondere Studenten und Junggebliebene umgehend dort zuhause fühlen, wo auf Werbe-Transparenten oder Getränkekarten von Guinness, Murphy’s oder Strongbow Cider die Rede ist. Sofort denkt man neben feinem Bier an Gemütlichkeit und gute Musik und wo all das zusammenkommt, dort feiert man einfach mal gerne mit. So geschehen diese Tage auch im Festzelt vorm Burgtheater im Rahmen des Saint Patrick’s Days in Wien – mit Wallis Bird als Spezialgast!
Für Kurzentschlossene: Mit the death cat zu IAMX ins Gasometer!
Markiert mit 2011, Gasometer, Wien
the death cat verlost für Kurzentschlossene 2×1 Ticket für das Konzert von IAMX im Wiener Gasometer am 10. März 2011. Die Teilnahmebedingungen verraten wir auch auf unserer Facebook-Page!
Emotion pur bei den Scanners im B72
Markiert mit 2011, B72, Rock, Wien
Bei einem Konzert sollte Musik im Mittelpunkt stehen. Dass das nicht immer so sein muss, bewies im Herbst des vergangenen Jahres der britische Singer/Songwriter Badly Drawn Boy. Bei seinem Auftritt im Wiener WUK stand nicht die Musik, sondern bestenfalls Unmut im Mittelpunkt. Auch beim Konzert seiner Landsleute von der Band Scanners wurde der Fokus auf etwas anderes gelegt. Allerdings auf etwas, was sofort zu begeistern wusste: Emotion.
Letztens im Haus der Musik: Geschichte(n) schreiben mit Fiona Daniel
Markiert mit 2011, Folk, Haus der Musik, Wien
Schön, wenn man dabei sein darf, wenn Geschichte geschrieben wird. Umso schöner ist es, wenn dabei auch noch Geschichten geschrieben werden und man diese vorgesungen und vorgelesen bekommt. Die Schweizerin Fiona Daniel tourte diese Woche erstmals außerhalb ihrer Heimat, der Auftritt im Wiener Haus der Musik machte dabei den Anfang. Wien dürfte somit einen historischen Moment in der Karriere der Züricherin einnehmen.
Iron & Wine nahmen sich beim Wien-Gastspiel im WUK selbst vorweg
Markiert mit 2011, Blues-Rock, Folk, Wien, WUK
Wien hat letzte Woche, auch wenn das Jahr noch jung ist, wohl schon eines seiner Konzerthighlights des Jahres erlebt, was alternative Musik betrifft. Das Gastspiel des bärtigen Sam Beam, besser bekannt als Iron & Wine und eine Größe der aktuellen Indie-Musikszene, war zweifelsohne etwas Besonderes im ausverkauften WUK. Gemeinsam mit seiner nicht weniger als sieben Mann und Frau starken Band, gab der Amerikaner Auszüge aus allen seinen drei Alben zum Besten. Letzteres ist wörtlich zu nehmen. Das Konzert von Iron & Wine war gut, hätte aber einen strafferen Spannungsbogen gut vertragen. Beam und seine Truppe nahmen sich nämlich schon mit der ersten Nummer des Abends selbst vorweg.
James Yuill im B72. Und warum auch er einen Game Boy Color gebraucht hätte
Markiert mit 2011, B72, Elektronik, Wien
Wenige Tage vor James Yuills Auftritt im B72 haben wir uns noch gefragt, was bei einem Konzert des Briten wohl im Mittelpunkt stehen wird. Die Gitarre oder der Laptop? Folk oder Elektronik? Als Yuill den Abend – gleichwie sein aktuelles Album Movement In A Storm – mit “Give You Away” eröffnete, war schon nach wenigen Minuten klar: das B72 wird heute zur Disco! Laptop und Synthesizer hatten ihren großen Auftritt, die Gitarre wurde in diesen Minuten, wie des Öfteren an diesem Abend, eingespart.
Live on Stage: Genre-Königin Lena Malmborg im Haus der Musik
Markiert mit 2011, Haus der Musik, Pop, Wien
Um über Lena Malmborg schreiben zu können, müssen Hausaufgaben gemacht werden. Die Übung: Alles herausfinden, was über sie herauszufinden ist! Wie gut die Aufgabe auch gelöst werden mag, bei einer Beurteilung würde die Note wohl automatisch um zwei Grade schlechter werden. Grund: zu spät abgegeben! Denn ohne die persönliche Jahreskarte im Haus der Musik, die für den Zeitraum ihrer Gültigkeit zum freien Eintritt in die Konzerte der Reihe Live on Stage berechtigt, wäre man, wie viele an diesem Abend, wohl nicht auf die Musik der Schwedin gestoßen. Und das völlig zu Unrecht.
Was war, was kommt. Konzerte in Wien 2010 und 2011
Vor exakt einem Jahr sah die Wiener Konzertaussicht auf 2010 weniger rosig aus. Von den Auftritten von William Fitzsimmons sowie Midlake, The National, Horse Feathers und Get Well Soon, die uns allesamt ab Juni eine abwechslungsreiche und qualitativ hochwertige zweite Konzertjahreshälfte einbrachten, wusste man zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Da scheint 2011 alleine aus heutiger Sicht ein ausgesprochen gutes Konzertjahr für Wien zu werden, denn schon jetzt lassen sich viele Highlights in den Terminkalender eintragen.
Synth-Punk in Wien & Handsome Furs im B72
“it’s sweet to be back, sweet like zucker”
sagt Dan Boeckner am 17. Dezember im B72 und läßt seine E-Gitarre schreien, während seine Frau, Alexei Perry, in die Tasten des Synthesizers haut.